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Fenster in unsere Vergangenheit

Neben vielen spannenden Studien zum Einfluss von Erziehung und Umwelt auf Aggression und Gewalttätigkeit bin ich gestern auf den Stamm der Eipo in Westguinea gestoßen - ein Volk, das abgeschieden von der Zivilisation noch am Übergang von Jägern und Sammlern zum Ackerbau lebt und seine männlichen Nachkommen ab drei Jahren zu Kriegern heranzieht. Ein spannendes Fenster in unsere Vergangenheit: Im Erwachsenenalter herrscht innerhalb des Stammes und gegenüber anderen Stämmen ein hohes Mass an teilweise tödlicher Aggression, schon kleine Anlässe entfachen Kämpfe von äußerster Härte. Ich bin ganz froh, dass ich in einer Gesellschaft lebe, die meistens andere Konfliktlösungsstrategien anwendet...

(Foto: www.papuaerfgoed.org)

Gewalt und Gene

Ok, ich geb's zu: Das Thema Gewalt und Gene ist überraschend interessant.

 

Laut einer Längsschnittstudie aus den Niederlanden von 2003 liegt der Anteil der Erblichkeit für aggressives Verhalten bei 60 bis 79 %. Weitere Studien der Universität von Südkalifornien (2007), der Universität von Montreal (2005) und interdisziplinären Aggressionsforschern (2005) deuten in die gleiche Richtung. Wow! So sehr bestimmen also unsere Gene, ob wir dazu neigen, Gewalt anzuwenden? Darüber will ich mehr wissen!

 

Besonders beeindruckt hat mich, dass Gewalterfahrung im Kindesalter die Umsetzung der Gen-Information beeinflusst. Wichtige Proteine werden nicht produziert, was dazu führt, dass der Hippocampus unterentwickelt bleibt (McGowan et al. 2008). Das heißt also, Gewalt führt zu konkreten biologischen Veränderungen. Nicht nur zu blauen Flecken und emotionalen Schäden, sondern zu Veränderungen in zentralen Teilen unseres Hirns!

 

Zur Geschichte von Kampf und Gewalt bietet meine erste Quelle (Aggression und Gewalt - ein biologischer, psychologischer und sozialwissenschaftlicher Überblick) leider nicht sehr viel. Aber: Das Töten von Artgenossen und Artfremden lässt sich rund 500 Millionen Jahre zurückverfolgen. Ich hoffe, dass ich über den Verlauf dieser 500 Millionen Jahre noch ein bisschen was rausfinde!

 

 

 

Recherche

Mann, freu ich mich darauf, Menschen zum Kämpfen und zu Gewalt auszuquetschen! Im Moment wälze ich Literatur und verschaffe mir einen Überblick zum aktuellen Stand der Gewaltforschung. Und frage mich, ob die Vorteile des Arbeitens mit EBooks (alle immer dabei, leichtes Markieren, Texte leicht rauskopierbar) die Nachteile (umständliches Blättern, kein Strukturieren des Buches mit bunten Notes, umständliches Notieren) wirklich überwiegen. Ich bin mir noch nicht sicher...

 

Daneben entsteht diese Seite und ich kämpfe (ja...) mit dem zukünftigen Untertitel. Schließlich will ich möglichst bald aus der Bücher-Einsamkeit raus und mich mit spannenden Menschen unterhalten - und dafür wäre es ganz gut, wenn ich etwas zum Vorzeigen habe. Und ich brauche Euch da draußen, die Ihr mir sagt, wen ich unbedingt ausfragen soll und was ihr alles an tollen Quellen und Studien und Schriften zum Thema kennt, auf die ich selber nie kommen würde!

 

Also komm, das Kapitel über Gewalt und Gene schaff ich heute noch!